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BUND Kreisgruppe Goettingen

Das Problem

Mitte der 1950er Jahre hat man herausgefunden, dass der Stoff Polyvinylchlorid (PVC) aus Abfallprodukten der chemischen Industrie hergestellt werden kann. Von nun an kam es zu einem regelrechtem Plastikboom, obwohl bereits wenige Jahre nach dieser Entdeckung klar war, dass Plastik ein Problem für Umwelt und Gesundheit darstellte.
Neben PVC setzten sich die Kunststoffe Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) durch, die ab den 1950er Jahren für Getränkekartons, Einkaufstüten, Lebensmittelverpackungen u.v.m. eingesetzt wurden. Kunststoffe etablierten sich immer mehr, denn ihre Produktion war kostengünstig und ihr Image galt als sauber und modern. Doch dieser Boom hat nun weitreichende Folgen und Probleme geschaffen:

Problem 1: Gesundheit
Um Plastik länger haltbar zu machen und in seinen Eigenschaften zu verbessern, werden dem Kunststoff Weichmacher, Flammenschutzmittel und Farbstoffe chemisch zugesetzt; diese chemischen Zusätze können sich aus dem Plastik lösen und in Luft, Wasser und Lebensmittel gelangen. Die Chemikalien sind teilweise hormonell wirksam und können z.B. Schilddrüsenerkrankungen, Unfruchtbarkeit und Fettleibigkeit begünstigen. Auch Stoffe wie Schwermetalle, Benzol und Mikroplastik dringen auf unterschiedliche Wege in den Körper ein und können etwa das Immunsystem beeinträchtigen.

Problem 2: Klima
Plastik wird aus Erdöl gewonnen, das in mehreren chemischen Prozessen zu Kunststoff verarbeitet wird. Plastikprodukte haben einen Anteil von etwa 10-13% an den weltweit ausgestoßenen CO2-Emissionen. Dieser Anteil entsteht sowohl bei der Herstellung (etwa 1 085 Millionen Tonnen CO2), bei der Verarbeitung (etwa 535 Millionen Tonnen CO2) und bei der Entsorgung (etwa 161 Millionen Tonnen CO2). Geht es also um den Klimawandel und Emissionsreduktion, muss auch die Kunststoffproduktion in die Pflicht genommen werden – die Lösung: weniger Plastik.

Problem 3: Mikroplastik
Primäres Mikroplastik wird bewusst von der Industrie in Kosmetika eingesetzt, etwa in Form von Peelingperlen und Bindemitteln; ein Duschgel kann bis zu 90% aus Kunststoffen bestehen. Über unseren Abfluss gelangt Mikroplastik ins Abwasser, aus dem es die Kläranlagen aber nicht filtern können, sodass es weiter in Flüsse und schließlich ins Meer gelangt.
Sekundäres Mikroplastik entsteht durch Zerfall großer Plastikteile, etwa durch UV-Einstrahlung, Reifenabrieb und Waschen von synthetischen Textilien. Auch diese kleinen Kunststoffteilchen gelangen in die Umwelt. Mikroplastik verändert Bodenstrukturen und wirkt aufgrund seiner Oberflächenstruktur wie ein Schadstoffmagnet. Im Meer und in Küstenregionen ist Mikroplastik ein großes Problem: Fische, Vögel und Meeressäuger nehmen das Plastik wie Nahrung auf, können es aber nicht verdauen und verhungern mit vollem Magen oder leiden unter Entzündungen des Magen-Darm-Trakts. Welche Folgen der menschliche Verzehr von Mikroplastik hat, ist bisher weitestgehend unerforscht.

Problem 4: Entsorgung
Der Glaube „Wir recyceln unser Plastik doch“ hält sich hartnäckig, entspricht aber leider nicht ganz der Wahrheit: Gerade einmal 15,6% der Kunststoffabfälle wurden 2017 in Deutschland recycelt. Der Rest wird verbrannt oder ins Ausland verschifft, hauptsächlich nach Asien. Dort landet er auf Mülldeponien und wird teilweise unkontrolliert verbrannt, wobei neben CO2-Emissionen giftige Dämpfe entstehen. Da diese oft nicht gefiltert werden, landen hochgiftige Substanzen wie Quecksilber und Dioxine in der Umwelt und werden von den Menschen eingeatmet.
Noch günstiger als Export oder Verbrennung ist illegale „Entsorgung“ im Meer: Jedes Jahr landen rund 10 Millionen Tonnen Plastik in unseren Ozeanen – das entspricht 1 LKW-Ladung pro Minute. Einmal im Meer gelandet, bleibt Plastik dort und zerfällt über Jahrzehnte zu Mikroplastik. Besonders Fischernetze, ring- und schnurartige Müllteile sind für Meereslebewesen oft eine Todesfalle, in der sie sich verfangen und sich nicht wieder befreien können.

Quellen: Plastikatlas, Umweltbundesamt

10 Tipps zur Plastikvermeidung

1) Sei vorbereitet! Einkaufstasche, Gemüsebeutel und eigene Behälter mitnehmen und Einkäufe darin abfüllen lassen. Eine Trinkflasche, Kaffeebecher und eigenes Besteck sparen ebenfalls jede Menge Plastik.

2) Trinke Leitungswasser! Das spart Geld, Plastik und Anstrengung. Außerdem ist Leitungswasser das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland.

3) Kaufe Mehrweg statt Einweg! Nicht nur bei Getränken, auch bei Milch und Joghurt gibt es Mehrwegflaschen, die wieder abgegeben werden können und neu befüllt werden.

4) Kaufe regional und saisonal! So werden Transport- und Lagerkosten sowie Verpackungen gespart und man unterstützt regionale Betriebe.

5) Kaufe Großpackungen! Bei haltbaren Lebensmitteln wie Zucker, Haferflocken oder Mehl zu großen Packungen greifen, damit weniger Verpackungsmüll anfällt.

6) Suche nach Alternativen! Viele Alltagsprodukte lassen sich durch nachhaltige Alternativen ersetzen. Hier hilft es, den eigenen Plastikmüll zu analysieren und dabei herauszufinden, was besonders oft dort landet: Wattepads, Chipstüten, Fertiggerichte, ... An dieser Stelle dann ansetzen und zunächst dafür Alternativen suchen.
So gibt es zum Beispiel festes Shampoo, das ohne Mikroplastik und Umverpackung auskommt oder Wattepads aus Stoff, die gewaschen werden.

7) Mache es selbst! Kosmetika wie Deo, Duschgel oder Peeling lassen sich ganz leicht selbst herstellen, genau wie aus alten T-Shirts Putzlappen und eine Einkaufstasche werden können. In unseren Rezeptlisten (s. links) sind einige Anleitungen, aber auch auf anderen Seiten finden sich jede Menge Tipps für´s Selbermachen.

8) Sage "Nein"! Der Strohhalm im Café, das Werbegeschenk oder die Tüte im Laden - viele Dinge, die uns angeboten werden, brauchen wir nicht.

9) Nutze, was Du bereits hast! Nicht alle Dinge aus Plastik müssen sofort weggeworfen werden. Stattdessen können Shampoo und Brotdosen noch genutzt und später durch plastikfreie Alternativen ersetzt werden.
Aber Achtung: Bitte Kosmetika, die Mikroplastik erhalten, nicht aufbrauchen! Diese sofort im Müll entsorgen, damit kein weiteres Mikroplastik in die Umwelt gerät.

10) Nimm Dir Hilfe! Apps wie ToxFox und Codecheck helfen, beim Einkauf giftige Inhaltsstoffe und Mikroplastik zu identifizieren.

...auch in Göttingen!

In Göttingen gibt es viele Möglichkeiten, unverpackte und nachhaltige Produkte einzukaufen.
Eine Karte, auf der verschiedene Läden verzeichnet sind, finden Sie bei der Zero-Waste-Gruppe.

Neu in Göttingen ist die Klimakarte, die die Energieagentur Göttingen e.V. eingeführt hat. Verschiedene Geschäfte unerstützen Kunden, die beispielsweise eine eigene Tasche oder einen eigenen Kaffeebecher mitbringen. Auf einer Stempelkarte werden Stempel gesammelt - bei einer vollen Karte erwartet Sie ein Überraschungspaket, mit dem ein müllarmer Alltag noch leichter wird! Teilnehmende Geschäfte finden Sie hier...

Mehr Infos...

Warum Plastik aus Mais keine Lösung ist und vieles mehr erfahren Sie im Plastikatlas des BUND und der Heinrich-Böll-Stiftung.

Welche Chemikalien bedenklich sind und was Recyclingcodes bedeuten, erfahren Sie in der Broschüre "Achtung Plastik" vom BUND.

Plastik in Kleidung? Die Broschüre "Mikroplastik aus Textilien" informiert.

Kosmetika mit und ohne Mikroplastik? Im Einkaufsratgeber vom BUND finden Sie Hilfe für den Einkauf.

Comics, die zum Nachdenken anregen und das Problem Meeresvermüllung aufgreifen, finden Sie in der Broschüre "Nothing Overboard" vom BUND.

Mikroplastik ist mit bloßem Auge oft nicht erkennbar. © Stephan Glinka
© BUNDjugend Niedersachsen

Mache es selbst!

Kosmetika

  • Peeling
  • Duschgel
  • Haarspülung
  • Deo

Haushalt

  • Putzlappen
  • Einkaufstasche
  • Abschminkpads
  • Allzweckreiniger
  • Kalkreiniger

Viele weitere Rezepte finden Sie auf www.smarticular.net

Verschiedene Apps wie z.B. ToxFox helfen, giftige Chemikalien in Plastikprodukten zu erkennen.

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