BUND Kreisgruppe Goettingen

Gipskarstlandschaft Südharz

Südlich des Harzes, 40 km von Göttingen entfernt, liegt das bedeutendste Gipskarstgebiet Europas. Dieser bis zu 7 km breite und etwa 100 km lange Gesteinsgürtel verbindet Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Foto © Elke Blanke

Gipskarst im Landkreis Göttingen

Karst ist eine Landschaftsform, in der das Oberflächenwasser durch wasserlösliches Gestein wie Gips, Anhydrit oder Kalk versickert. Das Harzer Gestein entstand vor ca. 250 Mio. Jahren, als das Zechsteinmeer die Harzregion mehrfach überflutete. Verschiedene Mineralsalze lagerten sich als mächtige Sedimentschichten ab. In den folgenden Jahrmillionen wurden sie von jüngeren Gesteinen überlagert, bevor sie mit der Hebung des Harzes seit etwa 70 Mio. Jahren wieder an die Oberfläche kamen.

Regenwasser sowie nacheiszeitliches Schmelzwasser lösten das wasserlösliche Gestein an vielen Stellen auf. So bildeten sich Höhlen und ganze unterirdische Wasserläufe, deren Wasser an völlig anderen Stellen wieder an die Oberfläche tritt. Im Harzvorland etwa an der Rhumequelle. Im Lauf der Zeit stürzt so manche Höhle ein. Durch das Nachstürzen des Gesteins bildete sich manchmal eine Doline (Senke) an der Erdoberfläche, oder der Hohlraum brach bis an die Erdoberfläche durch und ließ Erdfälle oder Täler entstehen. Dies passiert bis heute und hält die Oberfläche ständig in Bewegung.

Farn und Totholz in einem Erdfall. Foto © Walter Wimmer

Vielfalt

Die heutige Landschaft zeichnet sich durch eine einzigartige Vielfalt an seltenen und gefährdeten Lebensräumen aus. Orchideenreiche Kalkbuchenwälder, Eichenmischwälder, feuchte Schlucht- und Schattwälder, Kleingewässern, Quellsümpfe und kleine Moore, Feucht- und Nassgrünland, Felsbiotope, Höhlen, Halbtrockenrasen, Magerwiesen und Streuobstwiesen bilden ein  abwechslungsreiches Mosaik.

Auf den besonders artenreichen Magerrasen sind viele gefährdete Pflanzenarten und als floristische Highlights, z. B. Frühlings-Adonisröschen, Berg-Gamander und Kriechendes Gipskraut, zu finden. Zahlreiche Fledermausarten wie z. B. Mopsfledermaus, Brandtfledermaus und Bartfledermaus sowie das Mausohr finden Quartiere in den Höhlen; Uhu und Steinkauz besiedeln Felsstandorte bzw. Wälder. Der Feuersalamander ist an Gewässern verbreitet.rasen sind viele gefährdete Pflanzenarten und als floristische Highlights z. B. Frühlings-Adonisröschen, Berg-Gamander und Kriechendes Gipskraut zu finden. Zahlreiche Fledermausarten wie z. B. die Mopsfledermaus, die Große und Kleine Bartfledermaus und das Mausohr finden Quartiere in den Höhlen; Uhu und Steinkauz besiedeln Felsstandorte bzw. Wälder. Der Feuersalamander ist an Gewässern verbreitet.

Röseberg West 2012. Foto © Reiner Cornelius

Raubbau?!

Allerdings ist diese Landschaft insbesondere durch den industriellen Gipsabbau hochgradig gefährdet. Der oberirdische Gipsabbau mit schwerem Gerät hat schon viele wertvolle Fels- und Magerrasenbiotope zerstört. Zur Zeit bestehen allein in Niedersachsen 25 genehmigte Abbauflächen auf insgesamt 574 ha. Trotzdem versucht die Gipsindustrie weiterhin, auch aktuell, neue Abbaugenehmigungen oder
Erweiterungen zu erhalten. Sowohl in Niedersachsen als auch in Thüringen liegen darüberhinaus derzeit Entwürfe der Landesraumordnungsprogramme vor, die eine starke Ausweitung der Vorrangflächen für den Gipsabbau im Südharz
enthalten.

Aber gewachsene Karstformen können nicht wieder hergestellt werden! Und: Nur vergleichsweise wenige Menschen arbeiten in der Gipsindustrie, während sanfter Tourismus in einer naturnahen, vielfältigen und erlebnisreichen Landschaft ein großes Arbeitsplatzpotential besitzt.

Die Bauindustrie muss ein effizientes Recyclingsystem für alte Gipsplatten aufbauen und sich andere Baumaterialien suchen. Der Naturgips kann durch umweltverträgliche Alternativen ersetzt werden!

Dohlenklippen Bartolfelde. Foto © Detlef Tront

Pflege und Erhalt

Für die Offenhaltung des Grünlands ist die Weidetierhaltung, etwa mit dem Harzer Rotvieh, unerlässlich. Allerdings plagen die Weidetierhalter Existenzsorgen, da die Weidetierprämie derzeit auf den mageren Mittelgebirgsstandorten viel zu gering ist.

Doch es gibt ein wenig Hoffnung: Der Landschaftspflegeverband Göttingen erarbeitet derzeit einen Antrag für ein Naturschutzgroßprojekt, das insbesondere den Erhalt der wertvollen Offenlandlebensräume zum Ziel hat. Hierzu gehören intelligente Beweidungskonzepte zum Erhalt der Offenlandschaft ebenso wie die Vermarktung regionaler Produkte und ein gut durchdachtes Tourismuskonzept für die naturnahe Erholung.