Erfassung und Analyse von Veränderungen der Hecken und Feldgehölze
in der Agrarlandschaft und Aufbau eines Hecken- und Feldgehölz-Informationssystems am Beispiel der Stadt Göttingen
als Modell für ein effektives, zeit- und kostensparendes Monitoring- und Planungsinstrument im kommunalen und regionalen Naturschutz
Eine Landschaft, die durch eine Vielzahl von Hecken und Gehölzen gegliedert ist, weist viele positive Funktionen auf. Diese Gehölzstrukturen gliedern die Landschaft und bereichern so das Landschaftsbild, weisen wichtige biologisch-ökologische Funktionen auf, gewährleisten Erosionsschutz, führen zu positiven kleinklimatischen Bdingungen wie Windschutz und Regelung des Wasserhaushaltes und schützen vor Immissionen. Weiterhin bieten Hecken und Feldgehölze Sichtschutz und können im Allgemeinen die Landschaftsästhetik positiv beeinflussen.
In Mitteleuropa wird die offene Landschaft durch landwirtschaftliche Nutzung geprägt, wobei davon ausgegangen wird, dass es im Rahmen von Flurbereinigungsverfahren insbesondere der 1960er und 1970er Jahre zu einer Abnahme von Gehölzstrukturen in der Agrarlandschaft gekommen ist.
Um weiterreichende Aussagen über den Zustand und das Entwicklungspotential von Gehölzstrukturen in Agrarlandschaften treffen zu können und daraus ein effektives zeit- und kostensparendes Monitoring-Instrument für die kommunale Planung entwickeln zu können, ist eine verlässliche, wissenschaftlich fundierte Grundlage in Form von Erhebung und Darstellung der Gehölzstrukturen notwendig.
Die BUND-Kreisgruppe Göttingen hat deshalb im Rahmen einer Projektzusammenarbeit mit dem Institut für Waldinventur und Waldwachstum der Universität Göttingen (jetzt Abteilung für Waldinventur und Fernerkundung des Burckhardt-Instituts) die Entwicklung der Hecken- und Feldgehölzstrukturen im Raum der Stadt Göttingen innerhalb der vergangenen 10 bis 20 Jahre erfasst, analysiert und dokumentiert. Um Kosten und zeitaufwendige Felderhebungen möglichst gering zu halten wurden luftbildgestützte Erfassungsmethoden angewendet. Neben der Finanzierung durch Eigenmittel der Kooperationspartner BUND und IWW wurde das Projekt von der Niedersächsischen Lottostiftung/Bingo! Die Umweltlotterie bezuschusst.
Die Datenerhebungen wurden für den gesamten Offenlandbereich der Stadt Göttingen durchgeführt. Er wurde zur Bearbeitung in Teilbereiche aufgeteilt. Die Teilbereiche Ost, Süd und West wurden für den Jahrgang 1979 und den Jahrgang 1999 stichprobenweise (quadratische 500 x 500 m-Flächen) kartiert, um Schätzungen über die Veränderungen innerhalb dieser 20 Jahre machen zu können. Dazu wurde ein Kriterienkatalog für die Interpretation der Gehölzstrukturen entwickelt und die Luftbilder mit Hilfe eines GIS-Programms im Hinblick auf die landschaftsökologisch wertvollen Strukturen, die eine besondere Bedeutung im Biotopverbundsystem haben (z.B. Hecken, Gebüsche, Feldgehölze, Einzelbäume, Obstbestände und Verbuschungs- bzw. Sukzessionsflächen) interpretiert. Der dazu verwendete Schlüssel ist hier zu finden: Interpretationsschlüssel
Ergebnisse:

- Verteilung der einzelnen Gehölzstrukturen 1979 (links) und 1999 (rechts)

- Veränderungen der Flächengrößen der einzelnen Gehölzstrukturen von 1979 zu 1999
Ein genereller Trend zu einer Abnahme von Gehölzstrukturen im Raum Göttingen konnte nicht nachgewiesen werden. Festzustellen ist, dass es zu einem großflächigeren Verlust von Verbuschungsflächen gekommen ist. Strukturen wie Hecken, Einzelbäume, Feldgehölze und Gärten & Grünanlagen nehmen fächenmäßig etwas zu und bei kleinen Gebüschen und Obstbeständen kommt es zu nur sehr geringen Zunahmen. Stärkere Zunahmen sind im Bereich der Waldstrukturen zu finden.
Schlußfolgerungen:
Bei der Durchführung dieses Projektes wurde eine Vielzahl von Daten über Heckenstrukturen und ihre Verteilung in der offenen Landschaft gewonnen. Wenn für zwei oder mehr Zeitpunkte vergleichbares Material für eine Erhebung vorliegt kann auch die Entwicklung von Gehölzstrukturen gut nachgezeichnet werden. Dies gilt insbesondere bei der Nutzung von Luftbildmaterial, mit dem dann zeitaufwendige Feldaufnahmen vermieden werden können.
Das Heckenprojekt war ein Projekt mit wissenschaftlichem Hintergrund, das aber einen sehr angewandten, praxisrelevanten Ansatz verfolgte. Die Auswertungen haben Aussagen über den Zustand und die Veränderungen der Heckenbiotope in der Göttinger Agrarlandschaft und die Relevanz der verwendeten Variablen für eine landschaftsökologische Bewertung ermöglicht. Mit Hilfe weiterer Verbesserungen und Verfeinerungen der Erhebungs- und Auswertungsmethoden ist es möglich ein Informationssystem zu entwickeln, in dem die erhobenen Daten bzw. Auswertungen mit externen Daten (landschaftsökologische, faunistische und vegetationskundliche Erhebungen, z.B. Stadtbiotopkartierung) verschnitten werden können und langfristig als ein Planungsinstrument für den kommunalen Naturschutz eingesetzt werden können.
Weitere Informationen über das Projekt sind auf der Homepage des Kooperationspartners (Abt. Waldinventur und Fernerkundung, Uni Göttingen) zu finden:
Projektbeschreibung AWF