Warum ist Agrar-Energie nicht "Bio"?

Wie bekannt, ist das Ende der Vorkommen an Öl, Gas, Kohle und Uran aufgrund des weltweit steigenden Energieverbrauchs bereits in diesem Jahrhundert zu erwarten.
Der Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO2, das bei der Verbrennung freigesetzt wird, führt zunehmend zu einer Erwärmung der Atmosphäre und zu negativen Veränderungen unseres Klimas. Die dadurch notwendigen gesellschaftlichen Anpassungen und "Umwelt-Reparaturen" kosten später volkswirtschaftlich sehr viel mehr, als rasche vorbeugende Maßnahmen.

Diese Tatsachen zwingen zur Suche nach einem veränderten Lebensstil und nach regenerativen, also CO2-neutralen Energieformen.

Da aber regenerative Energieformen - auch erneuerbare Energien genannt - ebenfalls grosse Umweltprobleme hervorrufen können, geht es zur Hauptsache erst einmal um einen Stopp der allgegenwärtigen Energieverschwendung und um die Verbesserung der Energienutzung, die so genannte Effizienz.

In einem zweiten Schritt geht es um die Einsparung von Energie, beispielsweise bei der Raumheizung. Eine vollständige Aufheizung aller Räume eines Hauses oder einer Wohnung auf 22°C ist nicht nur übertrieben, sondern auch gesundheitlich von Nachteil. Und immerhin 30 % unseres gesamten Energieverbrauchs geht wegen schlecht gedämmter Gebäude, wegen ineffizienter Heizsystem und wegen überhöhter Raumtemperaturen drauf! Hier liegen also riesige Einsparpotentiale, die wir erschließen müssen.

Unter den erneuerbaren Energieformen wie Windenergie, Wasserkraftnutzung und Sonnenenergie stellt die Verwendung von Biomasse als Energieträger theoretisch eine weitere Alternative dar. Die bekanntesten der heute verwendeten Formen der Biomasse sind: Stroh, Holz, Gräser, Getreidepflanzen oder ölhaltige Pflanzen. Aber auch Gülle und Stallmist sind als Energieträger nutzbar. Theoretisch deshalb, weil rein rechnerisch bei der Nutzung nur so viel CO2 entsteht, wie bereits beim Pflanzenwachstum gebunden wurde.

Konkret ist der Energiepflanzenanbau (EPA) leider eine Sackgasse, sowohl für die Landwirtschaft als auch in der Energiepolitik. Erstens sind Energiepflanzen aus biologischen Gründen sehr ineffizient, d.h., es werden riesige Anbauflächen gebraucht um Bruchteile der benötigten Energiemengen herstellen zu können. Auf dem Dach schafft ein Sonnenkollektor auf derselben Fläche 400 mal mehr Wärme als eine Energiepflanze auf dem Acker. Und da die Dachfläche schon vorhanden ist, macht eine solche Nutzung viel mehr Sinn. Lebensmittel und Futtermittel können wir hingegen nur auf dem Acker produzieren und schon heute haben wir davon zu wenig und jeden Tag werden es auch noch 100 Hektar weniger, sie verschwinden unter Beton und Asphalt für Siedlungen und Verkehr. Zweitens wird die dadurch verdrängte Produktion auf Flächen im Ausland, vorzugsweise nach Afrika oder Südamerika ausgelagert. Dadurch gibt es mehr Hungernde in der Welt und unsere Abhängigkeit nimmt zu. Drittens wird unsere Umwelt massiv durch eine weitere Intensivierung eines sowieso schon als Raubbau wirkenden industriellen Landnutzung geschädigt: Die Böden werden beeinträchtigt, das Grundwasser belastet, das Landschaftsbild verschandelt und die Biodiversität geht ganz in den Keller. Viertens wird die bäuerliche Landwirtschaftsstruktur wegen der hohen Subventionen mehr und mehr negativ verändert, die Pachtzinsen steigen so hoch, dass die extensiven Rinderhalter verdrängt werden und sich immer mehr Kapitalgesellschaften grosse Flächen unter den Nagel reißen und Bauernbetriebe verschwinden. Fünftens besteht die große Gefahr, dass hier über kurz oder lang genetisch veränderte Pflanzentypen eingesetzt werden mit unübersehbaren Folgen für Menschen und die Umwelt. Darüber hinaus ist die CO2-Bilanz der Energiepflanzen sowohl bei uns als auch in den Subtropen und Tropen (z.B. in Palmölplantagen) mit jeder neuen Untersuchung immer schlechter geworden und liegt teilweise sogar noch unter derjenigen von Kohlekraftwerken!

Leider ist nichts an der Bioenergie wirklich „BIO“.

Die Realität sieht leider verheerend aus: Bereits 2010 wurde ein Fünftel der Ackerbauflächen in Deutschland vom Energiepflanzenanbau besetzt. Die Feldlerche, einer der wenigen typischen Ackervögel, die es noch bis heute ausgehalten haben, sind in ganzen Regionen aus der Feldflur verschwunden, Bodenabschwemmungen und Nitratgehalt im Grundwasser haben zugenommen. In so genannten "Bioenergiedörfern" werden schlecht gedämmte Gebäude nun über Agrar-Gasanlagen beheizt, eine bisher nie gekannte Verschwendung und Umweltbelastung, für die jeder Stromverbraucher über das EEG auch noch zur Kasse gebeten wird. 

Agrar-Energie ist in mehrfacher Hinsicht eine Sackgasse und eine Umweltbelastung, die Zukunft der Energieversorgung kommt ohne aus.

Damit ist klar, dass Agar-Energie keinen sinnvollen Beitrag zur Lösung des Energie- und Klimaproblems bietet. Aus diesem Beispiel können wir auch lernen, dass "regenerativ" alleine noch kein ausreichendes Prädikat für Energieformen der Zukunft ist. In jedem Falle müssen Umweltverträglichkeit und soziale Verträglichkeit noch als Kriterien dazu kommen.

Der Klimaschutz erfordert, dass in allen Bereichen unserer Gesellschaft die Reduzierung des Energieverbrauchs an oberster Stelle steht.

Die erneuerbaren Energien stellen grundsätzlich einen richtigen Schritt in eine Zukunft ohne fossile Energieträger und einen klimaschonenden Umgang mit der Energie dar. Sie bieten uns die Möglichkeit der „Entwöhnung“ von teuren, knappen fossilen Energiequellen und geben uns den Vorteil einer größeren wirtschaftlichen Unabhängigkeit.

Doch nur unter den Prämissen der Nachhaltigkeit, Effizienz und Klimaschonung sind alternative Energiequellen wirklich vernünftig.

Dafür engagieren wir uns !