Pressemitteilung des BUND Göttingen, 26.11.2008

Bioenergie ist Etikettenschwindel

  • Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht den Anbau von Energiepflanzen als energiepolitische Sackgasse. Eine Profilierung Südniedersachsens als sogenannte Bioenergieregion wäre deshalb der falsche Weg. Zukunftsträchtig ist hingegen der Aufbau der von Stadt und Landkreis bereits beschlossenen Energieagentur, für den der BUND seine Unterstützung zugesagt hat.


Die BUND-Kreisgruppe Göttingen positioniert sich klar gegen den Etikettenschwindel einer Bioenergieregion. Die Vorsilbe "Bio-" suggeriert dem Verbraucher eine umweltschonende oder nachhaltige Produktion, in Wirklichkeit wären damit aber ein massiver Ausbau des Natur und Landschaft beeinträchtigenden Anbaus von Energiepflanzen und eine verstärkte Abhängigkeit von Lebensmittelimporten verbunden. Energiepolitisch würden die Weichen falsch gestellt: Statt konsequentes Energiesparen zu fördern, wird eine nicht nachhaltige Biomasse-Produktion angeregt und begünstigt.

Der BUND-Vorstand weist auf die negativen Folgen des Anbaus von Energiepflanzen hin, die sich bereits heute global auswirken: Verteuerung der Lebensmittel in den Entwicklungsländern, Abholzung des Regenwaldes und Degradation der Böden, Bedrohung eines naturnahen Landbaus durch den Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen.

Mit einer Energieagentur, welche die richtigen Prioritäten setzt – also erstens alle Energiesparpotenziale nutzen, zweitens Energieeffizienz steigern und drittens gefährliche und CO2-produzierende Energieträger wie Atom, Öl, Kohle und Gas durch klimaneutrale und regenerative Quellen ersetzen –, können die großen Potenziale im städtischen Bereich sehr gut erschlossen werden. Hierzu zählen insbesondere die Wärmedämmung im Gebäudebestand, passive Solarnutzung, Solarthermie, Fotovoltaik und effizienzsteigernde Anlagen wie Blockheizkraftwerke und Wärmekraftkopplungen in Heizkraftwerken.

Der BUND befürchtet, dass mit der Bewerbung von Stadt und Landkreis Göttingen für den Bundeswettbewerb „Bioenergie-Regionen" der Aufbau einer Energieagentur aufs Abstellgleis geschoben wird. Dabei ist es insgesamt viel intelligenter, die Energiepotenziale im schon überbauten Gebiet konsequent zu nutzen, als wertvolle Ackerflächen für den Anbau von Energiepflanzen zu verwenden. Sinnvoll ist die energetische Nutzung von Biomasse nur bei Verwendung von landwirtschaftlichen Reststoffen, wie z.B. Ernteresten, tierischen Exkrementen, evtl. Mähgut aus der Landschaftspflege, und von Abfällen, die bei der Veredlung und Herstellung von Nahrungsmitteln und in Großküchen anfallen.