NACHHALTIGE ENERGIEPOLITIK STATT LANDBESETZUNG
Medienmitteilung vom 05.07.2010:
Agro-Energie führt in die Sackgasse
Göttinger Umweltverbände wehren sich gegen den umweltbelastenden Anbau von so genannten Energiepflanzen. Mit immer neuen Agro-Energie-Anlagen wird Südniedersachsen auf Kosten der Steuerzahler und der Umwelt in eine energiepolitische Sackgasse geführt.
Überall schießen derzeit Biogasanlagen aus dem Boden: Industrielle Werke, die mitten in Landschaftsschutzgebieten aufragen und jeweils die Erträge von mehreren hundert Hektar an Acker- und Forstflächen vereinnahmen, entstehen aktuell in Wollbrandshausen, Rosdorf, Barterode und Verliehausen.
Mit dem Energiepflanzenanbau ist ein weiterer Intensivierungsschub in der Landnutzung verbunden: Immer mehr wird Grünland unter den Pflug genommen, die Bodenerosion nimmt zu, die Eintönigkeit des Landschaftsbildes ebenso und für die heimischen Pflanzen und Tiere der Feldflur bleibt noch weniger Lebensraum übrig als bisher: So wird anstelle der gebotenen Umstellung auf eine Natur verträgliche Landnutzung das genaue Gegenteil praktiziert.
Deutschland kann schon heute seine Bevölkerung nicht mehr aus eigener Kraft mit Nahrungsmitteln versorgen, wir leben auf Kosten von Menschen in Afrika und Südamerika. Auch der Bedarf an Futtermitteln und nachwachsenden Rohstoffen, z.B. Papier, kann auf eigenen Flächen nicht mehr gedeckt werden. Und darüber hinaus leisten wir uns den „Luxus“, jeden Tag rund 100 Hektar Ackerland für Siedlung und Verkehr zu verbauen, notabene bei sinkender Bevölkerungszahl. Es ist also kein Quadratmeter Acker übrig für eine Energieproduktion, die zudem noch ineffizient ist!
Im Gegensatz dazu könnten wir den größten Teil der Erdölimporte Klima-neutral im Siedlungsgebiet durch Gebäudedämmung und Sonnenenergienutzung ersetzen. Außerdem liegt der Wirkungsgrad dabei hundert Mal höher als bei der Energiegewinnung auf Ackerflächen! Damit würde keine zusätzliche Fläche besetzt, langfristig Hunderttausende von Erwerbsmöglichkeiten geschaffen und die Außenhandelsbilanz positiv beeinflusst.
Der Anbau von Energiepflanzen widerspricht deshalb den Grundsätzen einer nachhaltigen Landnutzung und es ist nur dem Einfluss der Brüsseler Agrarlobby zuzuschreiben, dass dieser Anbau auch noch mit unseren Steuermitteln gefördert wird.
Aktuell sollen in Rosdorf zwei weitere dieser Anlagen errichtet werden. Auch die Stadtwerke Göttingen überlegen sich eine Beteiligung. Damit würden sie aber die Ziele der erst im Herbst 2009 angelaufenen Klimaschutz-Initiative Göttingen unterminieren. Und der Kreistag möchte mit seinem Beschluss vom 16. Juni zur Energie autarken Region ausgerechnet diese ökologisch schädliche Agro-Energie noch ausbauen.
Die Umweltverbände in Südniedersachsen fordern die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung auf, sich endlich für eine Landnutzung einzusetzen, die ein nachhaltiges Miteinander von Mensch und Landschaft fördert!
